Beim Köhlerfest wurde der Meiler geöffnet
In Neukirchen herrschte am vergangenen Sonntag wieder geschäftiges Treiben.

von Administrator

Neukirchen: (wh) - Die Köhler von Neukirchen lassen sich jedes Jahr etwas einfallen, um ihr Köhlerfest attraktiv zu gestalten. Zum einen gilt es, das alte Handwerk des Kohlenbrennens zu demonstrieren, zum andren wurde diesmal die Bedeutung der Kohle in früheren Zeiten dargestellt.

Am letzten Sonntag herrschte warmes Sommerwetter, so richtig wie für das Köhlerfest gemacht, das von der Angerer Bergschützenmusi mit einem  flotten Stückl eröffnet wurde. Martin Maier, der Vorstand des Neukirchner Köhlervereins begrüßte alle interessierten Zuschauer die gekommen waren, um einerseits zu sehen, was hier in Neukirchen alles geboten wird, um sich andererseits ein paar Stunden an den schönen Stücken der Musikkapelle zu erfreuen.

Jetzt war es endlich soweit, der Meiler konnte nach 14 Tagen Brenndauer geöffnet werden. Die Köhler hatten alle Hände voll zu tun, um die heiße, noch glühende Holzkohle mit engzinkigen Gabeln aus dem noch glimmenden Haufen herauszuholen, eine nicht gerade angenehme Arbeit, da einerseits von dem Kohlenhaufen noch eine große Hitze ausgeht, andererseits die schwarze Kohllösch enorm staubt. Kein Wunder, dass die Helfer dabei ausschauen wie die Kaminkehrer. Um so größer war die Freude über die gute Ausbeute. Mit einer kleinen Seilbahn wurde die Kohle dann auf den Schüttplatz zum auskühlen gebracht. Im Meiler waren gut 50 Ster Buchen - und Fichtenholz sorgfältig um die Kernstange zu einem Meiler aufgeschichtet und gut abgedeckt worden. Der Meiler muss während der gesamten Brenndauer ständig überwacht werden. 

Die Köhler von Neukirchen leisten mit ihren Veranstaltungen und ihrer Arbeit einen großen Beitrag zur Erhaltung unserer heimatlichen Geschichte, da die Holzkohle in früheren Zeiten in großen Mengen zum Schmelzen des Roheisens in den Hochöfen der Eisengewerkschaft Achthal benötigt wurde.

Holzkohle wurde aber nicht nur in den Hochöfen verwendet. An einem Stand wurde ihre vielfältige Bedeutung dargestellt. Helmut Birner erklärte den Besuchern, dass Holzkohle auch heute noch vielfach in der Industrie zum Filtern von Wasser verwendet wird und Luft und Gase reinigen und unangenehme Gerüche binden kann.

Aber auch in der Medizin ist sie nicht wegzudenken. So mancher hat sicher schon einmal Kohletabletten zu sich genommen, wenn er sich den Darm verdorben hatte und unter Durchfall litt. Aber auch als Holzkohlenpulver, Globolie und Heilsalbe findet die Holzkohle Verwendung. Besonders gefragt ist der Holzkohlenteer zum Anlegen von Umschlägen bei Verstauchungen und Verletzungen bei Tieren. Und schließlich wurde sie früher auch zum Entfuseln von Schnaps verwendet.

An einem anderen Stand wurde gezeigt, wie mit den alten gußeisernen Bügeleisen, die teilweise mit Holzkohle geheizt wurden, die Wäsche gebügelt wurde und auf einem alten Holzofen buk Annelies Lohwieser Prügelkrapfen. 

Auch der "Kramerladen" war wieder aufgebaut und ganz nach altem Vorbild eingerichtet. Hier gab es noch Honig, Marmelade, Säfte, Schnapps, Guatl, wie sie früher in jedem Kramerladen das Herz der Kinder höher schlagen ließen. Dann gab es da auch noch Leinenware,  wie kleine Deckchen und Kissenbezüge. Auch das im Holzbackofen frisch gebackene Brot wurde hier verkauft.

Damit aber an diesem Tag nicht alles in Arbeit ausartete, spielte die Angerer Bergschützenmusi unermüdlich zur Unterhaltung auf und nachdem die Köhler ihre Arbeit am Meiler beendet hatten, wurde sie von der Musi zum Festplatz gespielt. 

Ab dem späten Nachmittag sorgte dann die Neukirchner Blasmusik für die Unterhaltung und spielte zum Köhlertanz auf. 

Die Köhlerfrauen sorgten derweil dafür, dass niemand hungern oder dürsten musste. Die Kinder hatten an der großen Schaukel, dem kleinen Leiterkarussell und einem Sandkasten viel Freude.

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